Urteil – Schmerzensgeld und keine Nachbesserung bei mangelhaftem Tattoo

Tattoos sind in, Tattoos sind angesagt, Tattoos erfreuen sich größter Beliebtheit in allen Bevölkerungs- und Einkommensschichten. Trotzdem ist ein Tattoo, das sollte man nicht außer Acht lassen, keine schmerzlose Angelegenheit ohne gesundheitliches Risiko. Doch was ist zu tun oder zu erwarten, wenn das Tattoostudio sowie der Tättoowierer pfuschen, schlampig arbeiten oder das Werk nicht den Wunsch des Kunden trifft? 


Kann der Tättoowierer oder das Tattoostudio immer nachbessern, wenn gepfuscht wird?

Ein häufiger Zankapfel rund um das Thema Tattoo sind Körpergemälde, die vom Kunden als mangelhaft durchgeführt angesehen werden. Grundsätzlich gilt: Bevor man Schadenersatzansprüche geltend machen kann oder Schmerzensgeld zu erwarten ist, muss man dem Tättoowierer oder dem Tattoostudio eine Chance zur Nachbesserung einräumen. Immer? Nein, nicht immer. Wie das Oberlandesgericht (OLG) Hamm unter dem Aktenzeichen 12 U 151/13 festgehalten hat, können offensichtlicher Pfusch und Schlampigkeit auch zu einer sofortigen Zahlung an den unzufriedenen Kunden führen. Entspricht beispielsweise eine Tätowierung nicht dem vom Tattoostudio oder dem Tättoowierer gefertigten Entwurf, muss man der Gegenseite keine Nachbesserungsmöglichkeit einräumen. In besagtem Fall waren Entwurf und tatsächliche Tätowierung so unterschiedlich und das Tattoo so mangelhaft ausgeführt, dass der Kundin ein Schmerzensgeld zugesprochen wurde. Zusätzlich muss das Tattoostudio auch eventuelle Folgekosten für die Entfernung übernehmen. Eine Chance zur Korrektur wurde nicht eingeräumt, da das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Tättoowierernachhaltig zerstört worden wäre. 


Was war exakt geschehen?

Eine Kundin aus Oer-Erkenschwick wollte sich eine farbige Blume mit Ranken aufs rechte Schulterblatt tätowieren lassen. Der Tättoowierer stach jedoch zu tief und zu regelmäßig, wodurch die Farbe in Hautschichten gebracht wurde, die schlicht zu tief lagen, um gleichmäßig zu sein. Es entstanden Absätze, Kanten und die Linien hatten unterschiedliche Stärken. Auch die Farbverläufe wurden dadurch extrem unsauber. Die Kundin klagte umgehend auf Schmerzensgeld und lehnte es kategorisch ab, das Tattoostudionachbessern zu lassen. Bereits in erster Instanz wurde das Studio zur Zahlung verpflichtet und letztlich nahm man auch die Berufung zurück. 
Das Gericht argumentierte erstinstanzlich, die Kundin habe zwar in eine Körperverletzung eingewilligt, aber nur in der abgesprochenen Form. Die sei vom Studio nicht erbracht worden. Auch müsse sie sich nicht auf eine Nachbesserung einlassen, da ihr ein weiterer Eingriff dieses Studios – basierend auf der Schwere der nachgewiesenen handwerklichen Mängel – unzumutbar sei. 

 

Verfügt das Tattoostudio nicht über eine Betriebshaftpflichtversicherung mit einsprechender Deckungshöhe, könnte dieser Fall die Existenz des Studios massiv bedrohen.

Nur dann, wenn eineBetriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen ist, wird in dieser Situation der Versicherer einspringen und dafür sorgen, dass die finanziellen Belastungen des Urteils – 750 Euro plus X Euro an möglichen Nachbehandlungskosten – vom Tattoostudio aufgefangen werden. Ohne BHV muss der Betreiber oder derTättoowierer selbst in die Haftung eintreten und die Summe begleichen.

 

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Über Uwe W. Redler
Uwe W. Redler hat sich auf den Bereich Tätowierer- und Piercerversicherungen spezialisiert. Die Leidenschaft des Körperschmucks und die jahrelange Erfahrung im Versicherungsbereich haben ihn auf die Idee gebracht, dieses zu verbinden.

8 Kommentare zu “Urteil – Schmerzensgeld und keine Nachbesserung bei mangelhaftem Tattoo”

  1. Samuel

    Guten Tag,
    nur kurz, habe mir etwa 2005 am linken Oberarm ein „Maori-tribal“ 🙂 stechen lassen. Vorlage habe ich geliefert, 800 Fr.-, nur Linien, ca 4h. Linien unterschiedlich dick… eine Lösung wäre, es auzufüllen??? Ist schon länger her, aber Studio gibt noch. Nur ein Anwalt ist ja auch nicht gratis und habe bar bezahlt. MfG, Samuel

    Antworten
  2. Maria Vakili

    Hallo,
    wie lange kann eine ehemalige Kundin Schadensersatzansprüche wegen eines angeblich vermurksten Tattoos geltend machen???

    Antworten
  3. Frauke Schmöde

    Meine Tochter (17) hat sich gestern tätowieren lassen und kam total unglücklich nach hause. Das Ergebnis entspricht nicht dem von ihr vorgelegten Motiv, ausserdem gibt es eine zusätzliche Linie neben der Blumenranke, obwohl eindeutig abgesprochen war, dass es eine klare, filigrane Linie sein sollte. Was macht man jetzt? Wieviel „künstlerische Freiheit“ steht einem Tätowierer zu? Wer kann bewerten ob er schlecht gearbeitet hat? Ich habe leider gar keine Erfahrung.

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    • Uwe W. Redler

      Hallo Frauke,
      einfachen „Nichtgefallen“ reiht da nicht aus. Das Tattoo muss von der Vorlage abweichen oder es muss eine „Schädigung“ jedem Laien erkennbar sein.
      Schick mir bitte die Fotos zu und nenn mir bitte auch das Studio, damit wir es auf unsere Blacklist setzen können.
      Dann kann ich dir mehr sagen.

      Antworten
  4. Daisy

    Hallöchen

    Wie kann man denn jemanden eintragen lassen ?

    Hab mich im Oktober tätowieren lassen,das Ergebnis ist unterirdisch.

    Schrift schief,teils zu tief gestochen oder so das die Schrift jetz weh ist,mal dick mal dünn oder es steht statt Herz jetz Honz,Hanz auf dem Bein.
    Aktuell befinde ich mich schon beim Anwalt.
    lg

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